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Interviewserie des Tagesblattes (Deník) mit Vertretern westböhmischer Firmen, diesmal mit Jan Kronika,  Direktor der die Kurhotels Cajkovskij (Tschaikowski) in Karlsbad  betreibenden Gesellschaft

Rozhovor Deníku s ředitelem Janem KronikouDer Fremdenverkehr ist ein empfindliches Barometer der wirtschaftlichen Entwicklung

VLADIMÍR MELUZÍN

Karlovy Vary – Welches Business ist in Karlovy Vary am meisten verbreitet und für die Kurmetropole typisch? Dies sind mit Sicherheit die Leistungen in Verbindung mit dem Kurwesen und der Gewährung von Unterkünften. In die Stadt kommen alljährlich tausende Gäste aus dem In- und Ausland, um die Angebote einiger der hiesigen Gesellschaften in Anspruch zu nehmen. Zu jenen, die in der Vergangenheit einen guten Ruf erlangten, gehört die Gesellschaft VESK Service, welche die Kurhotels Spa Hotel Cajkovskij und Spa Hotel Cajkovskij Palace betreibt. Diese beiden Hotels sind wechselseitig miteinander verknüpft und bilden gegenwärtig einen großen Komplex mit einer Kapazität von 180 Bettenplätzen. Obwohl in der Hotelbranche in Karlovy Vary eine verhältnismäßig starke Konkurrenz besteht, gehört der Komplex Spa&Wellness Hotel Cajkovskij zu denjenigen, die prosperieren, und ihre Klientel auch in einer Zeit zu halten vermochten, als die wirtschaftliche Krise spürbar auch den Fremdenverkehr in Mitleidenschaft zog. Nach Ansicht des Direktors des Hotels, Jan Kronika, entscheiden darüber, wie erfolgreich ein Hotel ist oder nicht ist, vor allem die Qualität der zu erbringenden Leistungen und der Ruf, den man sich in Bezug auf die Gäste, jedoch auf auch die Mitarbeiter und das Umfeld aufgebaut hat.

Welche Geschichte hat das Hotel Cajkovskij? Knüpfte es an eine langjährige Tradition an oder begannen Sie sozusagen ganz von vorn, indem Sie sich die Position erst aufbauen mussten?

Das derzeitige Spa & Wellness Hotel Cajkovskij war vorher eigentlich nie ein Hotel. Die beiden benachbarten Gebäude in der Parkstraße (Sadová ulice) gehörten einst zum staatlichen Kurbad, indem sich hier ein Wohnheim für die Mitarbeiter befand. Nach dem Jahre 1990 und dem Zerfall der staatlichen Kurgesellschaft blieben die Objekte über mehrere Jahre leer und verfielen zusehends. Im Wesentlichen kauften wir sie im Jahre 1999 in ziemlich verwohntem Zustand. Es folgte eine umfangreiche Sanierung, die im Jahre 2003 abgeschlossen wurde. Es war nicht einfach, denn es mussten die Fundamente stabilisiert werden, wobei auch aufwendige Geländearbeiten erforderlich waren. Doch das Ergebnis war über Erwarten groß, indem es uns gelang, eine qualitativ sehr gute Unterkunftseinrichtung auf für anspruchsvolle Gäste zu eröffnen. Ihr unumstrittener Vorteil war die Nähe des Kurzentrums und der Quelle der Mühlenkolonnade.

Die Gesellschaft VESK Service betreibt jedoch gegenwärtig auch das neue Spa Hotel Cajkovskij Palace. In diesem Falle handelt es sich um einen Neubau. Können Sie die Umstände seiner Entstehung skizzieren?

Wie waren um die Erlangung von Fördermitteln seitens der Europäischen Union für die Entwicklung des Fremdenverkehrs und des Kurwesens bestrebt, was uns nach einer gewissen Zeit wirklich gelang. Dank dieser Fördermittel sowie aufgrund eines Bankkredites konnten wir mit der Errichtung eines völlig neuen Hotels beginnen, welches wir im Jahre 2012 kurz vor der Eröffnung des Internationalen Filmfestivals mit Erfolg fertigstellten. Die Kosten beliefen sich auf 300 Millionen Kronen, auch war dieses Vorhaben aus technischer Sicht verhältnismäßig kompliziert. Schon allein aufgrund dessen, dass eine große Menge an Felsgestein abzutragen und der Untergrund zu befestigen war. Doch durch das neue Gebäude konnten wir den gesamten Kurkomplex verbinden und vor allem erweitern, was nicht nur die Unterbringungskapazität, sondern auch die angebotenen Leistungen betraf. Wir wurden zu einem vollwertigen Kurhotel, was unter dem Aspekt des Angebotes und der Akquisition der Klientel wichtig war.

Den gesamten Kurkomplex betreibt die bereits erwähnte Gesellschaft VESK Service. Konzentriert sie sich ausschließlich auf die Verwaltung dieser Hotels oder widmet sie sich auch anderen Aktivitäten im Bereich des Tourismus und des Fremdenverkehrs?

Wir sein eine Gesellschaft mit minimaler ausländischer Beteiligung, die ausschließlich mithilfe von Krediten inländischer Banken, ggf. mithilfe von Fördermitteln aus den Fonds der Europäischen Gemeinschaft investiert. Und wir orientieren uns lediglich auf das Betreiben des Kurhotelkomplexes Čajkovskij. Unsere Aktivitäten sind somit nur auf Karlovy Vary beschränkt. Selbstverständlich gibt es bestimmte Entwicklungspläne. Es nicht ausgeschlossen, dass wir künftig gewissermaßen "aufstocken" oder ein weiteres Hotel bzw. einen Hotelkomplex errichten. Einstweilen sind es jedoch nur Pläne, die wir im Hinblick auf die derzeit laufenden Verhandlungen nicht konkretisieren können. Unsere Priorität bleibt allerdings die Erbringung von Kur- und Hotelleistungen in unserer Stadt. Daher würde auch jene angekündigte Erweiterung wiederum Karlovy Vary betreffen.

Auf welche Klientel orientieren Sie sich? Ist ihre Struktur für das heutige Karlsbad typisch oder abweichend? Und wie sieht es mit dem Interesse im Inland aus?

Zu behaupten, dass wir uns vorbehaltlich auf diese oder jene Klientel konzentrieren, wäre irreführend. Wir heißen einen jeden Gast willkommen, egal, woher er kommt. Allerdings ist die derzeitige Zusammensetzung der Gäste durch Karlsbad selbst und dadurch gegeben, wer Gefallen an diesem Zielort gefunden hat und ihn besucht. Dies bedeutet, dass die Gäste aus den russischsprachigen Ländern überwiegen. Nach ihnen folgen die deutsch sprechenden Gäste und Gäste aus weiteren westeuropäischen Ländern. Die inländische Klientel ist ihnen gegenüber weitaus weniger zahlreich vertreten, jedoch verzeichnen wir auch hier eine Wende. Gerade für tschechische Gäste haben wir das Angebot erweitert, um sie zu gewinnen und Ihnen zu zeigen, dass das Hotel nicht nur ausländischen Touristen vorbehalten ist. Das Interesse steigt, und zwar auch seitens der inländischen Gäste, an verlängerten Wellness- und romantischen Wochenendaufenthalten, ferner bereiten wir Touristik-, Sport- und Golfpakete vor.

Was bieten Sie den Gästen an und an welchen Leistungen besteht gegenwärtig das größte Interesse?

Die Erweiterung der Leistung verlief Hand in Hand mit der Erweiterung des Hotels um das Objekt Spa Hotel Cajkovskij Palace. Aufgrund dessen erlangten wir Räumlichkeiten für den kompletten Kurbetrieb, wo wir die Gäste heute direkt in Mineralwasser baden. In der Kategorie Wellness gewährleisten wir unter anderem das Kneippbad, finnische Saunen, Dampfbäder und Heilkräuteranwendungen. Was die Kategorie der diagnostischen, medizinischen und therapeutischen Leistungen anbetrifft, können die Gäste beispielsweise die Urologie, die Endokrinologie, die Gastroenterologie, die Hepatologie und weitere Fachbereiche in Anspruch nehmen. Im Rahmen dieses Behandlungstyps arbeiten wir eng mit dem Gastro-Zentrum Karlovy Vary zusammen. Zur Verfügung steht auch Pädiater für Kinder ab 3 Jahre. Die Ästhetik-Klinik und der Medizinische Salon verfügen über eine Vakuummassage, Lymphdrainage oder Radiofrequenz. In diesem Jahr kamen wir mit einer Neuheit, und zwar der Möglichkeit des Erwerbs von Geschenkgutscheinen für Anwendungen oder Aufenthalte. Das war eine gute Idee und das Interesse hieran hat uns angenehm überrascht.

Wie gelingt es Ihnen, sich mit den Schwankungen im Bereich des Fremdenverkehrs, des Hotelwesens sowie im Kurbereich auseinanderzusetzen? Bis zu einem gewissen Maße hängt dies mit der globalen wirtschaftlichen Entwicklung zusammen.

Das stimmt, sämtliche negativen Geschehnisse auf der globalen wirtschaftlichen Bühne bekommen wir sozusagen als erste zu spüren. Wir sind eine Art Barometer der wirtschaftlichen Entwicklung. Das Ressort des Fremdenverkehrs ist gegen jedwede Ereignisse, nicht nur wirtschaftlicher Natur, sehr anfällig. So blieben im vergangenen Jahr, als ein Teil Tschechiens von Überschwemmungen heimgesucht wurde, zahlreiche Gäste aus dem Ausland aus, obwohl wir hier keinerlei derartige Probleme hatten. Ähnlich verhielt es sich, als ein Vulkan auf Island seine Aschewolken in den Himmel spie. Selbstverständlich spüren wir auch sämtliche wirtschaftlichen Schwankungen. Zuletzt ist es der Kurs des Euros gegenüber dem Rubel. Sich mit allem auseinanderzusetzen bringt viel Arbeit mit sich. Wir müssen eng mit den Reisebüros zusammenarbeiten, für die Gäste interessante Leistungspakete und weitere attraktive Angebote zusammenstellen. Anhand des wirtschaftlichen Ergebnisses ist offensichtlich, dass uns dies gelingt. Wir bleiben in den schwarzen Zahlen und können so in die weitere Entwicklung investieren.

Der Hotelkomplex könnte jedoch ohne ausreichend, möglichst qualifiziertes Personal nicht betrieben werden.
Wirklich gute Mitarbeiter zu finden, auf die Verlass ist, und die eine gute Arbeit leisten, ist nicht einfach. In unserem Falle kann ich sagen, und uns dies im Großen und Ganzen gelingt, und dass wir keine größeren Probleme haben. Wir beschäftigen dauerhaft um die 86 Mitarbeiter, und zwar das ganze Jahr über, ohne Verringerung des Beschäftigtenstandes außerhalb der Hauptsaison. Wir investieren in ihre Weiterbildung, ob in Form von Schulungen oder verschiedener Fachkurse. Wie sind bemüht, die Besten an uns zu binden, da sie für das Funktionieren des Hotels unentbehrlich sind.

Wie sieht es mit dem Verhältnis der Gesellschaft gegenüber ihrem Umfeld aus, und zwar im Hinblick auf die Unterstützung unterschiedlicher gesellschaftlicher oder kultureller Aktivitäten?

Stets waren wir bestrebt, verschiedene sinnvolle Projekte zu unterstützen, sei es in Form der Hilfe für Schulen oder für die Sportler. Ab diesem Jahr wollen wir die die Räumlichkeiten des Spa Hotels Cajkovskij Palace der Öffentlichkeit auch im Falle der Kultur öffnen. Wir möchten hier mehr oder weniger regelmäßig verschiedene Ausstellungen oder Kammerkonzerte veranstalten. Die erste Veranstaltung war die April-Vernissage des Künstlers Joe Muczka Jr., Mitglied des Klubs der EU-Kunstpreisträger und Inhaber der Prestigeauszeichnung Golden Europea, der hier seine Bilder ausstellte. Mit ähnlichen Veranstaltungen rechnen wir auch für die Zukunft.

JAN KRONIKA wurde in Karlovy Vary geboren. Er studierte an der Fachschule in Pilsen, arbeitete anschließend im Verkehrsbetrieb der Stadt Karlovy Vary. Nach dem Jahre 1989 begann er eine private Unternehmenstätigkeit im Bereich des Bauwesens. Zur Wende der Jahre 1995 und 1996 verließ er die Baubranche und widmete sich dem Fremdenverkehr. Ab dem Jahre 1997 arbeitete er in Karlovy Vary direkt für die Präsidentenkanzlei des Staates Tatarstan, einer autonomen Republik der Russischen Föderation. Anschließend gründete er mit mehreren Gesellschaftern einige Firmen. Eine von ihnen ist jene Firma, die den Hotelkomplex Spa & Wellness Hotel Cajkovskij in Karlovy Vary betreibt, wo Jan Kronika in der Funktion des Geschäftsführers und des Direktors des Hotels tätig ist. Ferner betreibt er parallel hierzu die Reise- und Handelsgesellschaft LENET Travel, die sich dem auf die inländische Klientel gerichteten Fremdenverkehr widmet und Exkursionsreisen durch ganz Europa, Schulausflüge und den regelmäßigen Linienverkehr organisiert.

Spa Hotel Čajkovskij PALACE
Spa Hotel Čajkovskij PALACE
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